Newsnational Freitag, 09.12.2011 |  Drucken


(v.l.n.r):Stellv.Vors.IZA Soher Halabi, Ministerin Sylvia Löhrmann, ZMD-GS Nurhan Soykan, Bürgermeisterin Hilde Scheid, IZA-Vorstand Hildegard Mazyek und Mounir Azzaoui

Aachen: NRW-Schulministerin wirbt in der Bilal-Moschee für den Islamischen Bekenntnisunterricht

Löhrmann: „Lassen Sie uns so kurz vor dem Ziel nicht stehenbleiben“ - Nurhan Soykan: „Muslime sind bereit der Politik entgegenzukommen, aber Beiratsgesetz bleibt eine Übergangsreglung“

Diskutiert wird das Thema Islamunterricht in NRW schon seit über 20 Jahren. Nun wird die Sache konkret. Ab dem Schuljahr 2012/13 soll der bekenntnisorientierte islamische Religionsunterricht in den Schulen in NRW eingeführt werden.

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) ist zum Vortrag in die Aachener Bilal-Moschee gekommen, um dort das Konzept des geplanten islamischen Religionsunterrichtes zu erläutern. Die Ministerin folgte einer Einladung des Islamischen Zentrums Aachen (IZA) und der Aachener Grünen. Beide, Hilde Scheidt (Grüne-Bürgermeisterin) und Soher Halabi (Stellv. Vors. des IZA) hießen die zahlreichen Gäste willkommen. Durch den Abend moderierte Mounir Azzaoui.

Im Februar unterzeichneten die Landesregierung und der Koordinationsrat der Muslime (KRM) eine gemeinsame Erklärung, damit der Islam zum Schulfach werden kann. Das Papier wurde von beiden Seiten als wichtiger Schritt gefeiert. Allerdings ist das neue Unterrichtsfach zunächst nur mit einer Behelfskonstruktion und einer Änderung des NRW-Schulgesetzes möglich.

Für die Einführung des Islam-Unterrichts wird deshalb in NRW ein achtköpfiger Experten-Beirat installiert. Er ist Ansprechpartner für die Landesregierung, und er darf unter anderem mitbestimmen über die Entsendung der Lehrkräfte und die Zulassung der Lernmittel. Je vier Vertreter im Beirat sollen von den muslimischen Verbänden und die anderen vier vom Schulministerium einvernehmlich mit dem KRM entsandt werden.

«Dieses Beiratsmodell ist eine Brücke, keine Krücke», versicherte Löhrmann. «Es erlaubt uns, einen vollwertigen Religionsunterricht anzubieten. Es ist ein klares Signal, dass es uns ernst ist mit der Einführung des islamischen Religionsunterrichts.» Der Beirat werde auch keine Dauerlösung sein. Und die Anerkennung einer muslimischen Glaubensgemeinschaft werde man nicht aus den Augen verlieren, versprach die Grünen-Politikerin.


ZMD-Generalsekretärin Nurhan Soykan(Bild):"Wir wollen keine Sonderrolle, sondern die Anwendung des bestehenden Relgionsverfassungsrechts

Nurhan Soykan, Generalsekretärin des Zentralrats der Muslime in Deutschland, mahnte in ihrem Grußwort allerdings, dass mit dem Beiratsmodell zunächst nur eine «Übergangslösung» erreicht wurde. «Wir wollen keine Sonderrolle, sondern die Anwendung der bestehenden Gesetze.» Schließlich verstehen sich die Mitglieder des Koordinationsrats der Muslime bereits als Religionsgemeinschaften. Im Sinne der Schüler muslimischen Glaubens sei es aber wichtig, diesen Schritt einzugehen und das muslimische Entgegenkommen wertet sie als deutliches Zeichen, neues Vertrauen auf beiden Seiten schaffen zu wollen.

Für die Ministerin ist klar: Wenn Religion in den Schulen unterrichtet wird, dann darf den muslimischen Schülern dieser Unterricht nicht verweigert werden. Deshalb warb die Ministerin in Aachens ältester Moschee eindringlich dafür, gemeinsam mutig Neuland zu betreten: «Lassen Sie uns so kurz vor dem Ziel nicht stehenbleiben!»



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